Verleihung des Archäologiepreises





Laudatio von Dr. Henning Hassmann

Aus der Fülle der hochkarätigen Vorschläge für die nächste Auszeichnung wurde eine deutliche Wahl getroffen. Der zum zweiten Mal verliehene Deutsche Archäologiepreis ging 2002 an den Verein „Junge Archäologen der Altmark".

Der Verein engagiert sich insbesondere mit Kindern und Jugendlichen auf dem weiten Feld der Archäologie in ihrer Heimat, der Altmark. Dieser nördliche Bereich Sachsen-Anhalts liegt an der Grenze nach Niedersachsen, genau in der Mitte zwischen Bremen und Berlin. Die Altmark ist besonders reich an archäologischen Denkmälern. Besonders hervorzuheben ist die große Zahl hier noch gut erhaltener, obertägig sichtbarer Bodendenkmäler, vor allem eine Fülle von Megalithgräbern.

Am 15. März 1972 gründete der Geschichtslehrer Hartmut Bock mit sieben Schülern an der Oberschule Stöckheim eine Schülerarbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Archäologie ihrer Heimat. Unterstützt wurde die Gruppe vom damaligen Bezirksbodendenkmalpfleger Dr. Johannes Schneider. Die Gruppe wuchs und wuchs und fusionierte 1991 mit der benachbarten Arbeitsgemeinschaft „Junge Historiker" in Kleinau unter Leitung von Otto Mewes zum Verein junge Archäologen der Altmark e.V. Das in diesem Jahr gefeierte 30jährige Bestehen der Jugendarbeitsgemeinschaft ist Kennzeichen einer beeindruckenden Kontinuität in der Arbeit.

Die DGUF ist sich der Tatsache bewusst, dass es auch andere Gruppen gibt, die durch langjähriges und kontinuierliches Engagement Großes leisten. Insofern vergeben wir den Preis in gewisser Weise auch „pars pro toto", um auf den für die archäologische Denkmalpflege nicht wegzudenkenden ehrenamtlichen Einsatz hinzuweisen. Bedeutend an den Jungen Archäologen ist aber die konsequente Verbindung von Jugendarbeit und Archäologie. Allein die über Jahre hin erfolgreiche Jugendarbeit verdiente bereits eine Auszeichnung. Bezeichnend ist zudem, dass die Gruppe der Jungen Archäologen trotz der enormen Umstellung nach der Wende nicht wie fast alle anderen Arbeitsgemeinschaften zerfallen ist, sondern gerade in den wirren Zeiten der Neu- und Umorientierung in der Archäologie Aufgabe und Halt gefunden hat.

Bemerkenswert erscheint auch die Tatsache, dass es zu DDR-Zeiten gelungen ist, durch die Beschäftigung mit dem Nischenbereich Ur- und Frühgeschichte staatlicher Vereinnahmung weitestgehend zu entgehen, indem man sich in das staatliche System der Jugendförderung eingefügt und sogar von der Förderung des sozialistischen Staates profitiert hat, aber stets eine sachliche und ganz an der Ur- und Frühgeschichte orientierte Arbeit geleistet hat.

Mit der Verleihung des Deutschen Archäologiepreises an die „Jungen Archäologen der Altmark" möchte die DGUF erneut darauf aufmerksam machen, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die Archäologie ist. Der Preisträger gibt zugleich ein Beispiel für eine sinnvolle und erfolgreiche Jugendarbeit, das bundesweit Schule machen sollte.