Die frühmittelalterliche Siedlung bei Hohendolsleben
11-12 Jh.

am Lagerfeuer in Hohendolsleben (2004)



Die Mitglieder des Vereins "Junge Archäologen der Altmark e.V." bergen seit Juni 2004 die Reste einer Frühmittelalterlichen Siedlung bei Hohendolsleben. Die Endeckung des Fundortes geht in das Jahr 1970 zurück, als neben dem heutigen Fundplatz Kies abgebaut wurde. Bei dem Kiesabbau kamen Scherben und Schlacke zum Vorschein. Der Geschichtslehrer und heutige Vorsitzende des Vereins, Hartmut Bock, wurde auf diese Funde aufmerksam gemacht. Vor Ort konnte er die Funde auf das frühe Mittelalter datieren. Eine Ausgrabung war aber noch nicht möglich da Hohendolsleben im innerdeutschen Sperrgebiet lag. Durch erneuter Sandentnahme am Rande der zugewachsenen Kiesgrube geriet der Fundplatz wieder in das Interesse des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Halle. Eine Ausgrabung wurde von dort aus vorgesehen und unser Verein damit beauftragt. Der Fundplatz liegt südlich von Hohendolsleben, durch Bauschutt in den oberen Erdschichten wurde die Arbeit erschwert. Die Grabungsfläche wurde in 13 Abschnitten von je 3,00m x 5,00m eingeteilt und systematisch von Stegen getrennt. Bei der Grabung kamen drei Grubenhäuser, ein Ofen, einige Feuerstellen, mehrere Gruben, ein Spinnwirtel und eine Menge Scherben zum Vorschein. Grubenhäuser wurden von den Menschen bis ins 12.Jh angelegt. Dazu wurde eine Grube von ca. 50 cm Tiefe ausgehoben. Der Boden wurde mit Lehm gestampft oder mit Steinen gepflastert, das Dach war aus Stroh und wurde direkt auf den anstehenden Boden gebaut, ähnlich Abbildung 2.

Grubenhaus Abb.2 Grubenhaus, Langobardenwerkstatt Zethlingen

Haus Nr.1 Abb. 3 Haus Nr.1

Haus Nr.1(Abb.3) fiel einem Feuer zum Opfer, wodurch auch viele Holzreste erhalten blieben. In dem Haus wurden zwei Messer und ein Schlüssel gefunden (Abb. 4-5). Der Schlüssel ist ein so genannter Hohlschlüssel da sein Bart hohl ist. Diese Art von Schlüssel ist in das 12-13Jh. einzuordnen. Wahrscheinlich gehörte er zum Schloss einer Truhe. In dem Haus befanden sich außerdem noch eine Feuerstelle und verzierte, sowie unverzierte Scherben.


Schlüssel  Messer Abb.5 Schlüssel                                                                                                       Abb.6 Messer

Neben dem Haus befand sich ein Ofen, im Ofenbereich befanden sich zerscherbte Gefäße. Die Gefäße und die Scherben konnten eindeutig ins 11-12Jh. datiert werden. Ein gut erhaltener Spinnwirtel (Abb.7/8) wurde mitten in einer Grabungsfläche gefunden. Bei den Gruben handelt es sich hauptsächlich um Vorratsgruben, darunter auch zwei Staketengruben. Bei diesen Gruben wurden am Rand Holzstaketen eingelassen und diese wiederum mit einem Flechtwerk versehen, damit kein Sand in die Grube rutscht (Abb.9).

Spinnwirtel    Anwendung von Spinnwirteln Abb.7 Spinnwirtel                                                                                                   Abb.8 Anwendung von Spinnwirteln

Stacketengrube Abb.9 Stacketengrube

Diese frühmittelalterliche Siedlung, die nachweislich im 12Jh aufgelöst wurde, findet vermutlich in dem, in unmittelbarer Nähe liegenden, Rundlingsdorf Hohendolsleben ihren Nachfolger. Es ist anzunehmen, das die alte Streusiedlung einer modernen Plansiedlung, durch administrative Anordnung , weichen musste. Die neuen Rundlingsdörfer entstanden in der Altmark ungefähr im 12Jh., in der Zeit, in der die Funde des Vorgängerdorfes zeitlich endeten. Bei der nächsten Grabung werden weitere Ergebnisse erwartet.