zur Geschichte des Vereins:

Die Archäologie ist schon immer durch das breite und aufwendige Betätigungsfeld auf die Mithilfe freiwilliger und interessierter Helfer angewiesen. Der Verein "Junge Archäologen der Altmark e.V." ist seit 1972 zu einem Festen Bestandteil auf dem Gebiet der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege in der Altmark geworden.

Das Ziel der am 15.3.1972 gegründeten Schülerarbeitsgemeinschaft, ist die Beschäftigung mit der ältesten Geschichte der Heimat. Der Impuls dazu ging von dem Geschichtslehrer Hartmut Bock aus, der sich schon mit der Ur- und Frühgeschichte der nordwestlichen Altmark näher beschäftigte. Ermuntert zur aktiven Bodendenkmalspflege mit Schülern, wurde er von Dr. Johannes Schneider, dem damaligen Bezirksbodendenkmalpfleger.

Die Aufgaben des Vereins bestehen aus folgenden Punkten:


Um diese doch sehr umfangreichen Aufgaben sachkundig bewältigen zu können, wurde sich von Anfang an jeden Freitag auf dem Schulboden der Schule in Stöckheim und seit 1995 in dem ausgebauten Arbeitsraum auf dem Boden der Schule Jübar getroffen. Hier werden Berichte geschrieben, Funde aufgearbeitet, Fotoarbeiten durchgeführt und die Grabungsausrüstung gelagert und gewartet. Bei gutem Wetter geht es raus zu Flurbegehungen, d.h. es werden auf den Ackerflächen Funde wie z.B. Scherben und Feuersteinabschläge gesucht. Jedes Jahr werden auch die Großsteingräber der näheren Umgebung von Wildwuchs und Müll befreit. Durch eine umsichtige Kontrolle von Erdaufbrüchen wie z.B. bei Rohrleitungsgräben oder Baugruben, können durch die Arbeitsgruppe kurzfristig auftretende Funde fachkundig geborgen werden.

Mit der Arbeitsgemeinschaft "Junge Historiker" aus Kleinau unter der Leitung von Otto Mewes wurde seit 1974 ein enger Kontakt gepflegt. So wurden regelmäßig die Ausgrabungen zusammen durchgeführt. In der Kleinauer Schule erarbeiteten und betreuen sie noch ein Schulmuseum. So war es nur logisch das im Zuge der Wende 1992 aus beiden Schülerarbeitsgemeinschaften der heutige "Verein Junger Archäologen der Altmark e.V." gegründet wurde.

Ca. 120 Mitglieder hat der Verein mittlerweile. Wobei der aktive Kern aus der Schülergruppe besteht. Die älteren Vereinsmitglieder beteiligen sich an den Aktivitäten nach ihren zeitlichen, beruflichen und familiären Möglichkeiten. Ein Vorstand, der aus vier Mitgliedern und dem Vorsitzenden besteht, koordiniert die Arbeit und das Vereinsleben. Eine Jahreshauptversammlung wird jährlich durchgeführt, bei der die Ergebnisse des letzten Jahres ausgewertet werden. In jedem Jahr werden 2-3 neue Schüler aus der 5. Klasse in die Schülergruppe des Vereins aufgenommen. So wird erreicht, dass jede Altersgruppe vertreten ist und die Jüngeren die Kenntnisse und Fertigkeiten der älteren aneignen können.

Der Höhepunkt der Vereinsarbeit ist aber in jedem Jahr das 14-tägige Ausgrabungslager. Zu den einzelnen Ausgrabungen erfahrt ihr unter Grabungen mehr.

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Die erste Grabung fand 1972 in Hilmsen statt. Während damals noch sieben Schüler unter recht abenteuerlichen Bedingungen ein Zeltlager aufschlugen, kommen mittlerweile jedes Jahr 25-30 Schüler, Jugendliche und Erwachsene zu den Grabungen. Die Fundstellen wurden z.B. durch Kiesabbau entdeckt und gefährdet oder durch Rohrleitungsgräben geschnitten. Die Grabung 1974 in Niedergörne wurde notwendig, da das Dorf wegen des Kernkraftwerkes bei Stendal, abgerissen wurde. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Archäologie in Halle werden diese Grabungen geplant und durchgeführt. Viele Dinge müssen langfristig im Vorfeld geklärt werden. Da sind zum einen die Absprachen mit den Eigentümern der Grabungsflächen und die Auswahl des Standortes des Zeltlagers. Die Ausrüstung, bestehend aus den Zelten, der Küchenausstattung, dem Werkzeug und dem Dokumentationsmaterial müssen überprüft und vorbereitet werden. Der Transport, die Versorgung mit Trinkwasser und das Mittagessen müssen organisiert werden.

Am ersten Tag wird alles zum Grabungsort gefahren und das Zeltlager aufgebaut. Das Küchenzelt wird eingerichtet und das Gerätezelt in der Nähe der Grabungsfläche aufgestellt. Die Grabungsfläche wird eingemessen und in einzelne Abschnitte eingeteilt. Je nach der örtlichen Begebenheit wird auf dem zu untersuchenden Areal die oberste Schicht, der Mutterboden vorsichtig mit Technik abgeschoben. Dann wird mit Schaufeln und Spaten eine ebene Fläche abgezogen. In vielen Fällen kann man dann schon unter dem gestörten Boden anhand von Erdverfärbungen Gruben und Steinsetzungen erkennen. Diese Verfärbungen entstanden, als im unberührten Boden Vertiefungen für z.B. Hausgruben, Urnengräber, Körpergräber oder Pfostenlöcher eingebracht wurden. Die wieder eingefüllte oder eingefallene Erde unterscheidet sich nun farblich deutlich von dem ursprünglichen Boden daneben. In diesen Bereichen wird dann vorsichtig mit Spitzkelle und Pinsel tiefer gegangen. Auftretende Funde wie z.B. Scherben, Abschläge, Knochen oder Metallteile werden freigelegt, gezeichnet und fotografiert. Die Einzelfunde werden dann herausgenommen und in beschriftete Tüten getan. Urnen werden vollkommen freigelegt und mit Mullbinden einbandagiert und erst später ausgenommen und restauriert. Bei Skelettresten werden diese erst konserviert, dann bandagiert und zur weiteren Untersuchung in Kartons verpackt. Hausgruben oder Pfostenverfärbungen werden oft geviertelt oder halb geschnitten, um im Profil die Form und Schichten zu erkennen.

Bei all diesen Arbeiten muss mit großer Sorgfalt und Genauigkeit vorgegangen werden. Jede Kleinigkeit muss aufgenommen und dokumentiert werden, um später bei der Auswertung alles berücksichtigen zu können. Manche Funde sind nicht größer als ein Stecknadelkopf, können aber zur zeitlichen Datierung einer Fundstelle ausschlaggebend sein.

Zu diesen Fertigkeiten gehört eine gute Portion Erfahrung. In den ersten Jahren erwarben die Schüler ihre Grundkenntnisse durch die Mitarbeiter des Landesmuseums Halle und des Danneil Museums in Salzwedel. Inzwischen haben die älteren Grabungsteilnehmer an mehreren verschiedenartigen Ausgrabungen und Notbergungen teilgenommen. Deswegen wird nun in jedem Abschnitt ein älterer mit einem Jüngeren eingeteilt. Die Erfahrungen und Kenntnisse werden so den jüngeren vermittelt. Die Funde werden später gesäubert, beschriftet und katalogisiert. Sie kommen dann zur weiteren Untersuchung ins Landesamt für Archäologie nach Halle. Die Grabungsergebnisse werden mit Hilfe von Zeichnungen, Fotos und Berichten dokumentiert und später in der Fachliteratur publiziert.

Eine gewisse "Goldgräberstimmung" lässt sich bei dieser Arbeit nicht verleugnen. Da sind es weniger die spektakulären und materiell wertvollen Funde, die bei uns eher selten auftreten, sondern da ist die Spannung was sich in einer Verfärbung befinden könnte, da sind einzelnen Funde wie z. B. verzierte Scherben, Perlen und Schmuckstücke die beim Wegpinseln der Erde zum Vorschein treten. Die Nähe beim Ausgraben einer Hausgrube oder eines Skelettgrabes zu längst vergangenen Epochen macht die Archäologie so reizvoll und interessant. So haben wir auch keine Nachwuchsprobleme, denn selbst in Zeiten eines recht vielseitigen Freizeitangebotes ist das Interesse der Kinder und Jugendlichen an unserer Arbeit recht groß.

Dazu trägt auch das Zeltlager im Pfadfinderstil ohne Strom und Fernseher bei. Im großen Küchenzelt werden gemeinsam das Frühstück und das Abendessen eingenommen. Nach der Arbeit am Nachmittag wird Fußball gespielt oder es fahren alle baden. Bei jeder Grabung wird ein Skat und Würfelabend mit Preisen durchgeführt, es werden Lagerfeuer gemacht und am letzten Abend ein Quiz. Am Sonntag wird immer eine Exkursion in die nähere Umgebung durchgeführt. Bei diesen Aktivitäten wird ein großes Gemeinschaftsgefühl aufgebaut und das bei einem Altersgefüge der Teilnehmer von 15-40 Jahren.

Eine öffentliche Führung wird am Sonntag einer jeden Grabung durchgeführt. Hier können sich interessiert Besucher über die Ergebnisse der Untersuchungen und über ein kleines Stück der Geschichte ihrer näheren Umgebung informieren. Wir konnten bei diesen Führungen schon bis zu 300 Besucher registrieren. Damit und mit zahlreichen Berichten in der Presse wird die Bevölkerung auf die Thematik der Archäologie herangeführt. So ist der Verein und vor allem Hartmut Bock ein Ansprechpartner in unserer Region geworden. Das fängt an mit Einzelfunden die von Leuten gebracht werden oder mit Führungen zu archäologisch und geschichtlich interessanten Sehenswürdigkeiten in unserer Gegend. So gab es auch schon mehrere Fernsehberichte über unsere Arbeit und bei deutschlandweiten und auch internationalen Tagungen hat der Verein auf die Altmark als Kulturlandschaft aufmerksam gemacht.

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Seit 1972 wurde in jedem Jahr eine 14-tägige Ausgrabung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser kontinuierlichen Beschäftigung mit der Ur- und Frühgeschichte sind enorm und nachweisbar. Da sind zum Teil die spektakulären Grabungsergebnisse und die Entdeckung neuer Fundstellen.

Trotz der vielen Arbeit ist noch ein weiterer Punkt wichtig für das Vereinsleben. Von Anfang an gehörte die Weiterbildung durch Exkursionen und Tagungen zum festen Bestandteil der Arbeitsgruppe. Als Ziel gelten archäologische Stätten, Ausstellungen, Museen und Ausgrabungen. Aber es soll auch der Lohn für die geleistete Arbeit sein und die Geselligkeit und Gemeinschaft fördern.

Während die ersten Fahrten nach Kalbe, Halle und Weimar führten, so ging 1975 die erste Auslandsfahrt nach Biskupin in Polen. Seit dem wurde regelmäßig eine einwöchige Fahrt am Ende der Sommerferien durchgeführt.

Zwischendurch wurden etliche Tagesfahrten veranstaltet. Diese Fahrten sind natürlich ein weiterer Anreiz für die Schüler Mitglied im Verein zu werden. Gerade die Auslandsfahrten waren nicht so selbstverständlich zu der damaligen Zeit. Sie geschahen immer auf Einladung von Archäologen, die uns dort eine Unterkunft, meist in Schulen oder Wohnheimen besorgten uns auch ein Programm erarbeiteten.

Gerade die Fahrten nach Ungarn waren schwierig, da man nur eine begrenzte Menge Geld umtauschen konnte. So nahmen wir z.B. die gesamten Lebensmittel von zu Hause mit. Nach der Währungsunion wurde vieles einfacher und es konnte ja nun auch den westlichen Teil Europas besucht werden. Nach der Grenzöffnung wurden auch gleich viele Fahrten in die nähere Umgebung nach Niedersachsen gemacht. Es wurde ein enger Kontakt zu den Bodendenkmalpflegern im Nachbarkreis Gifhorn geknüpft, der heute noch sehr rege aufrechterhalten wird.

Das Kennen lernen anderer Regionen, Nationen und Kulturen und das Erkennen von geschichtlichen Zusammenhängen, ist für die Schüler hoch interessant und einprägsam. Dazu kommen die vielen Ereignisse und Geschichten, welche man zusammen erlebt und die immer für ausreichend Gesprächsstoff bei jedem Zusammentreffen sorgen.

Nun müssen all diese Aktivitäten auch finanziert werden. Zum einen sind da die Mitgliedsbeiträge und Beiträge für die Jahreshauptversammlung oder die Ausgrabung. Für die Ausgrabung bekommen wir Gelder vom Landesamt in Halle und teilweise vom Landkreis. Die Exkursionen und Fahrten werden zum größten Teil selbst finanziert. Dann sind da noch Gelder die von privaten Sponsoren kommen.

Selbst 1990 konnte, eine Woche nach der Währungsunion, die Grabung in Osterwohle durchgeführt werden. Obwohl keine Zuschüsse zur Verfügung standen, wurde das letzte DDR Geld genommen und drei Schweine geschlachtet. Damit war die Verpflegung, der größte Kostenfaktor bei einer Grabung, gesichert.

Um die ganzen Aktivitäten zu planen, zu organisieren und durchzuführen, benötigt es die Ausdauer und Kraft einiger die den Motor des Vereins darstellen. Da ist in erster Linie Hartmut Bock, der sich unermüdlich für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen über die ganzen Jahre hinweg einsetzt. Er hat aber auch eine Hand voll Leute an seiner Seite, die selbst Verantwortung übernehmen.

Ohne die ehrenamtliche Tätigkeit des Vereins, wären noch sehr viel mehr Fragen in der regionalen Archäologie offen. Als Anerkennung der Verdienste um die archäologische Denkmalpflege, erhielt der Verein 1995 den Denkmalpreis des Landes Sachsen Anhalt.

Im Verein werden Kinder und Jugendliche an die älteste bis hin zur jüngeren Geschichte herangeführt. Das Erlernen von handwerklichen Tätigkeiten in einer Gemeinschaft, das Zusammengehörigkeitsgefühl, aber dann auch wieder das selbständige Arbeiten, z.B. beim Erstellen von Berichten oder Vorträgen, die vielfältigen Fahrten, Exkursionen und Eindrücke, prägen jeden Schüler. Das hilft auch in der Schule, im Beruf oder in anderen Bereichen die Aufgaben des täglichen Lebens zu meistern.

Es ist viel persönlicher Einsatz und auch viel Zeit von Nöten, aber es macht Spaß und ist eine lohnenswerte Aufgabe. Es ist gelungen Kinder und Jugendliche für die Archäologie zu begeistern und eine langfristig, erfolgreich arbeitende Institution in der Altmark, auf dem Gebiet der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege, aufzubauen.

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Heiko Meyer
Schatzmeister des Vereins "Junge Archäologen der Altmark e.V."